Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht_Zukunftsworkshop

Die Zukunft kann ich nur jetzt gestalten

Sich auf eine Reise in die Zukunft zu begeben, ist in erster Linie eine Reise zu sich selbst. Man beschäftigt sich mit Dingen und Werten, die für einen selbst das „gute Leben“ ausmachen und erkennt plötzlich was wirklich wichtig ist. Mir wurde eines bewusst: „Wenn ich in zwanzig Jahren so leben möchte, wie ich es in meiner Vorstellung gesehen habe, muss ich noch einige Dinge in meinem Leben ändern und nachhaltige Taten setzen, damit dies auch gelingen kann“.

Ich habe den Zukunftsworkshop der Caritas bereits dreimal gemacht. Jedes Mal waren die Vorstellungen anders. Aber der Kern blieb gleich: „Wenn ich ein gutes Leben führen will, dann muss es vor allem ein einfaches Leben sein, das geprägt ist von einem guten Miteinander mit den Menschen die mich umgeben und ein Leben im Einklang mit der Natur“. Technik und Maschinen kamen in meiner Zukunftsvision kaum vor. Ich brauchte sie schlicht einfach nicht.

Wenn ich also in die Zukunft blicke, dann sehe ich, dass es vor allem um Beziehungen und Kommunikation geht. Es geht nicht um Konsum, es geht nicht darum, immer besser, schneller höher und weiter zu kommen, eine Karriere gemacht zu haben und viel Geld zu besitzen. Es geht darum, dass Alt und Jung voneinander lernen und gemeinsam das Zusammenleben und die Dorfgemeinschaft so gestalten, dass alle Menschen ihren Platz finden und von ihrer Arbeit gut leben können.

Blicke ich jetzt auf mein Leben, merke ich, dass es geprägt ist von Konsumzwang und Bedürfnissen, die ich eigentlich gar nicht habe. Werbung und Wirtschaft beherrschen meisterhaft die Kunst, mir das Gefühl zu vermitteln, dieses oder jenes Ding sofort haben zu wollen, – weil es so schön und toll ist, oder weil man es sowieso in Aktion bekommt. Ich lege mir also Elektronik-Dinger, Dekorationsgegenstände, Kleidungsstücke und anderen Schnickschnack zu und werfe die Hälfte davon nach wenigen Monaten wieder weg – weil ich es einfach nicht brauche. Und das Schlimme daran: Um diese Dinge zu produzieren, wurden Unmengen von Ressourcen verschwendet – Materialressourcen, Umweltressourcen und menschliche Ressourcen im Sinne von Arbeitskraft.

Wenn ich also in einer Zukunft leben will, wie ich sie mir vorstelle, dann muss ich möglichst bald beginnen, mein Handeln zu verändern und schon jetzt Schritte zu setzen, um diese Zukunft zu erreichen. Inspiriert von den Bildern, die durch den Workshop entstanden sind, versuche ich nun bewusster zu leben und bewusster zu konsumieren. Ich suche verstärkt Kontakte zu FreundInnen, Bekannten und NachbarInnen und verzichte auf manche Dinge, die ich nicht unbedingt zum Leben brauche.

Manchmal braucht es nur eine Inspirationsquelle, um das eigene Verhalten zu überdenken und entsprechende Schritte zu setzen. Der Zukunftsworkshop war so eine Inspirationsquelle für mich. Er zeigte mir auf, was gutes Leben für mich bedeutet.

Ein Erfahrungsbericht von Sabine Monthaler-Hechenblaikner